Deine Auszeit auf TNY


Auch die Reisen der Gedanken: Mit einem ersten Gedanken. Kennst du deine ersten Gedanken? Die Reihenfolge?

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Nicht nur die sichtbare Ernte wie Äpfel, Kürbisse, Nüsse, die letzten Blüten, das Gold der Blätter. Auch unsere eigene. Das, was aus Entscheidungen, Beziehungen, Arbeit, Geduld, Irrwegen und Hoffnungen geworden ist.
Und, seien wir ehrlich, es beginnt augenblicklich der Abgleich mit unseren Erwartungen.
Ist es genug? Ist es das, was wir wollten? Ist es größer, kleiner, schöner, enttäuschender, überraschender als gedacht?
Mangel und Fülle können uns also kraftvoll aus der Mitte unserer Betrachtung ziehen – und plötzlich finden wir uns ganz woanders wieder, als es der Situation angemessen wäre.
Nicht die Enttäuschung oder Euphorie an sich ist das Problem. Die dürfen sich zeigen. Schade wäre, wenn wir durch die Erwartungshaltung oder Bindung an ein bestimmtes Ergebnis innerlich so weit verschoben werden, dass unsere Wahrnehmung enger, verzerrter oder unverhältnismäßig wird.
Fällt die Ernte geringer aus als erwartet, können Enttäuschung, Ärger, Neid oder das Gefühl von Ungerechtigkeit entstehen: Warum gelingt es anderen und mir nicht? Warum hat sich all diese Arbeit nicht ausgezahlt?
Fällt sie dagegen besonders reich aus, sind wir nicht automatisch freier. Erfolg kann berauschen. Aus Freude kann Euphorie werden, aus Fülle Maßlosigkeit, aus einem guten Ergebnis der Anspruch auf Wiederholung oder sogar Steigerung.
Auch die Angst, das Gewonnene wieder zu verlieren, gehört dazu.
Wir suchen oft nach einem Zustand, in dem endlich alles stimmt. Das Leben kennt aber eher Bögen als Endpunkte. Ein Ergebnis verändert die Bedingungen. Daraus entstehen neue Möglichkeiten, Entscheidungen und Handlungen.
Entscheidend ist weniger, wo wir gerade stehen, als die Haltung, mit der wir dem begegnen, was ist – um darin Möglichkeiten zu erkennen und neuen Handlungsspielraum zu öffnen.
Das funktioniert, wenn wir auch die Perspektive verändern:
Ein wenig Abstand kann Zusammenhänge sichtbar machen, die wir aus unmittelbarer Nähe nicht erkennen. Wir können unseren Blick weiten. Wir können prüfen, lernen und korrigieren.
Wir können unseren Blick weiten, ohne jemals das Ganze überblicken zu können.
Genau an dieser Grenze endet die Vorstellung vollständiger Kontrolle.
Man kann etwas so stark auf ein Ergebnis hin beanspruchen, dass man die Quelle beschädigt.
Ackerboden. Körper. Beziehung. Kreativität. Arbeit. Auch eine gute Ernte kann zur Ausbeutung führen, wenn sie sofort zum neuen Maßstab wird und noch mehr davon entstehen muss.
Der nächste Schritt verlangt deshalb nicht nur Aktivität. Er verlangt Haltung.
Patañjali nennt im Yoga-Sūtra 1.23 īśvara-praṇidhāna – Hingabe an Īśvara an eine Wirksamkeit, die größer ist als unsere eigene.
Hingabe heißt nicht, sich ohnmächtig zu machen, Verantwortung abzugeben, etwas zu wünschen und darauf zu warten, dass das Universum schon den Rest erledigen wird. Wir handeln, übernehmen unseren Anteil vollständig und nutzen den Einfluss, den wir tatsächlich haben. Gleichzeitig erkennen wir, dass unsere eigene Macht begrenzt ist und wir niemals über das Ganze verfügen.
Das Tolle daran: Je weniger die Früchte unseres Handelns beweisen oder festschreiben müssen, wer wir sind, desto freier können wir uns als Teil eines größeren Ganzen verstehen – und desto offener wird unser Handeln für eine Hingabe, die nicht gefordert werden muss, sondern aus Freiheit entsteht.
Dann können wir nicht nur unser Handeln von seinen Früchten lösen, sondern auch uns selbst als Teil der Schöpfung verstehen – und unser Tun in ihren Dienst stellen.
So können Dankbarkeit und Liebe über die Reaktion auf ein erwünschtes Ergebnis. hinausgehen. Sie entstehen aus der Beziehung zu dem, was ist.
Aus dem Wissen, beteiligt zu sein, ohne alles gemacht zu haben. Wir handeln, lernen, korrigieren und gehen weiter – und müssen dabei nicht alles besitzen, was durch uns entsteht.
Für mich verdichtet sich diese Haltung immer wieder in einen großen Wunsch:
Let me be your instrument.
Genau an dieser Stelle setzt ein Gedanke aus der Bhagavad Gītā , Kapitel 2, Vers 47, an, der mich seit Langem begleitet:
karmaṇy evādhikāras te mā phaleṣu kadācana
mā karma-phala-hetur bhūr mā te saṅgo ’stv akarmaṇi
Dein Bereich ist das Handeln allein, niemals seine Früchte.
Lass die Früchte deines Handelns nicht dein Beweggrund sein
und hänge ebenso wenig am Nichthandeln.
Phala bedeutet Frucht, Ertrag, Ergebnis. Karma-phala ist die Frucht unseres Handelns.
Nicht-Anhaftung bedeutet nicht, eine Frucht geringzuschätzen. Sie bedeutet auch nicht, Freude kleinzumachen oder Enttäuschung zu verleugnen. Sie bedeutet, das Ergebnis nicht zum Beweis für unseren Wert, unsere Leistung oder die Richtigkeit unseres gesamten Weges zu machen.
Ein gelungenes Ergebnis ist kein Gipfel, von dem man nur noch herunterfallen kann.
Es ist eine Erfahrung, mit der wir weiterarbeiten können. Und ebenso wenig ist ein enttäuschendes Ergebnis ein endgültiges Urteil.
Eine alte chinesische Erzählung aus dem Huáinánzǐ , einem philosophischen Sammelwerk aus dem 2. Jhdt. v.Chr., erzählt von einem Mann, dessen Pferd davonläuft. Die Menschen um ihn herum halten es für ein Unglück. Das Pferd kehrt zurück und bringt weitere Pferde mit. Nun scheint alles Glück zu sein. Der Sohn reitet eines der Tiere, stürzt und verletzt sich schwer. Wieder scheint das Unglück zurückzukehren. Als später junge Männer für den Krieg eingezogen werden, bleibt der verletzte Sohn zu Hause.
Wie könnte diese Geschichte noch weitergehen?
Es gibt endlose Möglichkeiten.
Deshalb ist es unmöglich, ein einzelnes Ereignis abschließend als Glück oder Unglück, Erfolg oder Misserfolg zu bewerten.
Was wir gerade Ergebnis nennen, ist nur der Punkt, an dem wir im Moment auf die Geschichte schauen.
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